Ende letzten Jahres hatt die Kaffeemühle einen Stein im Mahlwerk, seitdem haben wir auch keine Lavazza-Bohnen mehr gekauft. Da der Antrieb der Mühle keine funktionierende Rutschkupplung eingebaut hat, hat die Motorwelle das POM-Zahnrad zerfressen. Das ungünstige an diesem Zahnrad ist die Schrägverzahnung. Das kann man nirgends nachkaufen.

Ein kurzer Versuch mit einem gedruckten PLA-Zahnrad war nicht erfolgversprechend. Das war sehr laut (wegen der Reibung durch Verfahrensbedingte Stufenbildung) und die Zähne hat es sehr schnell durch die normale Belastung zerfressen. Das kaputte Zahnrad hatte ich dann vorübergehend repariert, indem ich die betroffenen Zähne ausgefräst habe, dort ein größeres Stück POM eingeklebt habe und schließlich die Zähne nach Augenmaß geschnitzt habe. Das hat auch erstmal ganz gut geklappt, aber man hat auch deutlich gehört, dass der Antrieb klackert. Einfach weil die Zähne nicht perfekt gepasst haben.

Ich bin irgendwann an den Teilapparat meines Großvaters gekommen, was für mich schon Grund genug war diesen auszuprobieren. Ein Schrägverzahntes Zahnrad macht das ganze dann noch spannender. Auch mal schön zum ausprobieren war es, ein Werkzeug herzustellen.

Anhand des 3D-Modells konnte ich die Zahnform und den Winkel der Schräge perfekt mit der CNC abfahren. Ersteres habe ich genutzt, um aus einem Gravierstichel ein „Modul 0,85mm“-Stichel herzustellen. Ich bin mit einem eingespannten Gravierstichel die Bahn der Zahnform in 0,05mm Schritten abgefahren, bis der Gravierstichel vollständigen Kontakt zu einem sich drehenden Edelkorund Schleifstift hatte.

Danach ein Stück POM in passendem Durchmesser in den Teilapparat geladen, schlappe 56 mal das Programm abgefahren mit dem jeder einzelne Zahn ausgeformt wurde und anschließend sehr lange die Flusen entfernt. Die Flusen konnte ich schon reduzieren, indem ich in der Endtiefe des Fräsprogramms abwechseln Gleich- und Gegenlauf gefahren bin. Es war aber eine aufwändige Arbeit und ich habe nicht mal ein Bild vom finalen Ergebnis gemacht.

Das originale Zahnrad noch einmal in der CNC aufgespannt und eingemessen, so ausgeschnitten dass der neue Zahnrad-Ring drüber passt und eingebaut. Die Passung ist eine recht straffe Presspassung, die genauen Werte habe ich mir leider nicht notiert. Auch davon habe ich kein Bild gemacht, ich habe es lieber gleich eingebaut und mich des Lärms gefreut. Es ist lauter als das original, aber wesentlich leiser als ein gedrucktes und außerdem klackert es nicht so wie mein repariertes. Insgesamt war es ein Erfolg. Und der nächste Stein im Mahlwerk lässt mich einfach wieder den schönen Teilapparat auf den Maschinentisch spannen. 🙂


Update 09/2022: Das Zahnrad hat weiterhin funktioniert, jedoch ist nun an anderer Stelle ein Problem aufgetaucht. Sporadisch, ca. alle 10 Sekunden, ist das Mahlwerk kurz ins Stocken gekommen. Das lag meines Erachtens nicht am Zahnrad, sondern an einem Kaffeepulver-Stau im Mahlwerk. Das Zahnrad hatte keine Abnutzungsspuren. Um das Problem zu beheben, hatte ich mich schließlich entschieden, ein Ersatzmahlwerk zu kaufen. Da es aber definitiv nur an der inneren Mechanik liegen konnte, konnte ich diese Komponenten mit der baugleichen inneren Mechanik des kleineren Schwestermodells tauschen. Der Vorteil dabei ist, dass dieses Mahlwerk anstelle von aktuell 83€ nur 36€ gekostet hat. Also habe ich das alte und das neue Mahlwerk aufgemacht und folgende Teile getauscht:

  • die Motorbefestigungsplatte, aber nicht den Motor
  • das große Zahnrad inkl. Antriebswelle
  • das kleine Zahnrad
  • die Mahlkegel inkl. aller Unterlegschrauben, Muttern, und….

Der Filz! Der war im alten Mahlwerk gar nicht mehr vorhanden. Den muss ich bei einer der Bastelaktionen versehentlich eingesaugt haben und nicht überprüft haben, ob er noch da ist. Dadurch konnte Kaffeepulver unter das Flügelrad gelangen, was konstruktionsbedingt nicht gewollt sein kann. Altes Pulver klebt dort fest, verursacht Reibung, etc.. Außerdem konnte ich mit dem Filz ein wesentlich geringeres axiales Spiel der Antriebswelle feststellen.

Der Tausch aller Teile hat in unter einer Stunde geklappt und das Mahlwerk hat beim ersten Test direkt schön gesurrt. Die Maschine läuft wieder sehr leise. Auch weil die Teile aus dem neuen ungebrauchten Mahlwerk sehr großzügig gefettet sind.

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